Sommerliches Üben Julia Heis-Strandl

Lernen ohne Ferienfrust

Wie Lehrkräfte Eltern beim sommerlichen Üben unterstützen können

Neun Wochen Sommerferien liegen vor uns. Für viele Kinder ist das die schönste Zeit des Jahres: ausschlafen, spielen, verreisen und einfach Kind sein. Und genau so soll es auch sein. 

Warum kleine Lernimpulse in den Ferien sinnvoll sein können

Gleichzeitig höre ich als Legasthenie- bzw. Dyskalkulie-Trainerin jedes Jahr ähnliche Fragen von Eltern: „Vergisst mein Kind in den Ferien nicht wieder alles?" oder „Sollen wir überhaupt üben?" Tatsächlich gibt es auf diese Fragen keine pauschale Antwort. Es gibt aber wissenschaftliche Erkenntnisse und viele alltagstaugliche Strategien, die dabei helfen können, Lernen und Erholung gut miteinander zu verbinden.

Besonders im Lesen, Schreiben und Rechnen kann eine längere Pause dazu führen, dass Kompetenzen nicht mehr so sicher abrufbar sind wie am Ende des Schuljahres.

Summer Learning Loss/ Summer Slide

In der Forschung wird dieses Phänomen häufig als Summer Learning Loss oder Summer Slide bezeichnet.
Damit ist gemeint, dass Kinder während längerer Ferien bestimmte schulische Fähigkeiten teilweise verlieren oder sich langsamer weiterentwickeln. 


Neuere Forschung zeigt zwar, dass dieser Effekt nicht bei allen Kindern gleich stark auftritt. Trotzdem können regelmäßige, kleine Lerngelegenheiten in den Ferien dabei helfen, Wissen zu stabilisieren und den Einstieg im Herbst zu erleichtern.

Wie können Eltern ihr Kind unterstützen, ohne dass das Lernen zum täglichen Streitpunkt wird?

Viele Eltern stellen sich deshalb vor den Ferien die Frage: Wie können wir unser Kind unterstützen, ohne dass das Lernen zu Hause zum täglichen Streitpunkt wird?

Und genau hier können Lehrkräfte eine wichtige Rolle übernehmen. Sie können Eltern Orientierung geben, realistische Erwartungen vermitteln und zeigen, wie Lernen in den Ferien gelingen kann. Ohne Druck, ohne schlechtes Gewissen und ohne Ferienfrust.

Selbstreguliertes Lernen in den Vordergrund stellen

Viele Familien starten mit sehr guten Vorsätzen in die Ferien. Es soll jeden Tag gelesen, gerechnet oder geschrieben werden. In der Realität sieht es dann oft anders aus: Die ersten Ferientage sind voll, das Kind möchte lieber spielen und die Familie ist unterwegs. Schon nach kurzer Zeit entsteht Druck.
Gerade nach einem anstrengenden Schuljahr möchten manche Kinder erst einmal nichts mehr von Schule wissen. Das ist verständlich. Deshalb ist es wichtig, Ferienlernen nicht wie eine Verlängerung des Unterrichts zu gestalten.

Aus pädagogischer Sicht entscheidet nicht die Menge des Übens, sondern vielmehr die Regelmäßigkeit und die Selbstständigkeit. Forschung zum selbstregulierten Lernen zeigt, dass Kinder erfolgreicher lernen, wenn sie kleine Ziele setzen, ihren Fortschritt erkennen, eigenständig arbeiten können und positive Rückmeldungen erhalten.

Für die Praxis bedeutet das: Lieber mehrmals pro Woche zehn bis fünfzehn Minuten üben als einmal eine lange Lerneinheit einplanen, die alle Beteiligten überfordert.

Lehrkräfte können Eltern hier entlasten, indem sie Ferienhefte nicht als Pflichtprogramm, sondern als Angebot kommunizieren. Es muss nicht jeden Tag eine Seite erledigt werden. Oft reicht es, kleine, überschaubare Einheiten einzuplanen und diese möglichst fix in den Ferienalltag einzubauen.

Hilfreich kann zum Beispiel ein einfacher Wochenplan sein: zwei bis drei kurze Lernzeiten pro Woche, immer zur ähnlichen Tageszeit, aber ohne starren Druck. So entsteht Routine, ohne dass das Lernen die Ferien dominiert.

Weniger Druck, mehr Motivation

Besonders bei Kindern mit Lernschwierigkeiten oder schwächeren Noten entsteht in den Ferien schnell zusätzlicher Leistungsdruck. Eltern möchten helfen, übernehmen dabei aber oft unbewusst die Rolle von Hilfslehrkräften. Sie erklären, korrigieren, kontrollieren und erinnern an offene Aufgaben.

Genau daraus entstehen häufig Konflikte.

Wenn Lernen in den Ferien nur noch als Nachholen, Aufarbeiten oder Kontrollieren erlebt wird, sinkt die Motivation schnell. Kinder brauchen aber gerade dann Erfolgserlebnisse und das Gefühl: Ich kann etwas.

Ein hilfreicher Blick kommt aus der Selbstbestimmungstheorie der Psychologen Edward Deci und Richard Ryan. Sie geht davon aus, dass Menschen besonders motiviert sind, wenn drei grundlegende Bedürfnisse erfüllt werden:

  • Autonomie: Ich darf mitentscheiden.
  • Kompetenz: Ich kann etwas gut.
  • Soziale Eingebundenheit: Ich fühle mich unterstützt.

Kinder lernen motivierter, wenn sie mitentscheiden dürfen, wenn sie Aufgaben bewältigen können und wenn sie sich unterstützt fühlen. Für Eltern bedeutet das praktisch: Statt „Jetzt mach endlich fünf Seiten im Ferienheft.“ könnte die Frage lauten: „Möchtest du heute lieber die Rätselseite oder die Rechenaufgabe bearbeiten?“

Das klingt nach einem kleinen Unterschied, verändert aber die Situation deutlich. Das Kind bekommt eine Wahlmöglichkeit und erlebt mehr Selbstbestimmung.

Auch Lehrkräfte können Eltern dazu ermutigen, nicht nur auf Schwächen zu schauen. Gerade in den Ferien dürfen auch Inhalte geübt werden, die bereits gut funktionieren. Denn Erfolgserlebnisse sind ein wichtiger Motor für weiteres Lernen.

Das Ziel der Sommerferien ist nicht, ein ganzes Schuljahr perfekt nachzuarbeiten. Vielmehr geht es darum, Kompetenzen zu erhalten, Sicherheit zu geben und den Schulstart im Herbst leichter zu machen.

Lernen muss nicht immer am Schreibtisch stattfinden

Viele Eltern denken bei Lernen sofort an Hefte, Arbeitsblätter und Schreibtischzeiten. Dabei entstehen wertvolle Lerngelegenheiten oft ganz nebenbei im Alltag.

Oft reichen schon Würfelspiele, Kartenspiele oder Rätsel, um Lesen, Schreiben, Rechnen und logisches Denken ganz nebenbei zu fördern.

Gerade für Kinder, die sich mit klassischen Übungssituationen schwertun, sind solche alltagsnahen Lernmomente oft besonders wertvoll. Sie erleben Lernen nicht als zusätzliche Belastung, sondern als etwas, das zum Leben dazugehört.

Lehrkräfte können Eltern daher mitgeben: Es muss nicht immer die perfekte Lernsituation sein. Auch kleine, ungeplante Lernmomente zählen.

Wichtig ist, dass Eltern nicht zu strengen Kontrollpersonen werden. Sie sollen begleiten, ermutigen und unterstützen. Permanentes Erklären und Korrigieren sollte dagegen nicht ihre Aufgabe sein. Aufgaben, die Kinder möglichst selbstständig bearbeiten können, entlasten daher die ganze Familie.

Kleine Schwerpunkte statt großer Aufholprogramme

Manchmal werden Lernlücken erst in den Ferien richtig sichtbar. Plötzlich merken Eltern, dass das Einmaleins doch nicht so sicher sitzt oder dass sinnerfassendes Lesen schwerfällt.

Dann ist die Versuchung groß, möglichst viel auf einmal aufarbeiten zu wollen. Doch genau das führt oft zu Überforderung.

Ferien sind nicht die Zeit, um ein ganzes Schuljahr nachzuholen. Sinnvoller ist es, kleine Schwerpunkte zu setzen. Wenn ein Kind vor allem beim Lesen unsicher ist, kann ein passendes Ferienheft für Deutsch und Lesen hilfreicher sein als ein ganzes Set für alle Fächer. Wenn Mathematik schwerfällt, sollte genau dort gezielt und in kleinen Portionen geübt werden.

Lehrkräfte können Eltern hier sehr konkret unterstützen, indem sie Empfehlungen geben:

  • Wann könnte ein guter Zeitpunkt zum Üben sein?
  • Wie oft ist realistisch?
  • Wie lange sollte eine Übungseinheit dauern?
  • Welche Inhalte sind wirklich wichtig?

Schon zehn bis fünfzehn Minuten mehrmals pro Woche können ausreichen, um wichtige Grundlagen zu festigen. Entscheidend ist, dass das Lernen machbar bleibt.

Ferienhefte als praktische Unterstützung

Damit das Üben in den Ferien nicht jeden Tag neu verhandelt werden muss, brauchen Familien Materialien mit klarer Struktur. Genau hier können Ferienhefte eine gute Unterstützung sein.

Die ORIGINAL-Ferienhefte von VERITAS bieten Kindern eine einfache und verlässliche Möglichkeit, wichtige Inhalte zu wiederholen. Gleichzeitig entlasten sie Eltern, weil die Aufgaben überschaubar aufgebaut sind und selbstständiges Arbeiten ermöglichen.

Besonders hilfreich sind dabei die klaren Tagesportionen. Je nach Heft führen 10 oder 15 überschaubare Einheiten durch die wichtigsten Inhalte. Das gibt Orientierung, ohne zu überfordern.

Auch die Lösungen zur Selbstkontrolle sind für viele Familien hilfreich. Kinder können ihre Ergebnisse überprüfen, ohne dass Eltern jede einzelne Aufgabe korrigieren müssen. Dadurch bleibt die Rolle der Eltern eher begleitend und unterstützend.

Die Ferienhefte sind für verschiedene Fächer erhältlich, darunter Deutsch & Lesen, Mathematik, Englisch, Französisch und Latein. Die Hefte für die 1. bis 3. Klasse Volksschule sowie für die 1. bis 3. Klasse Mittelschule bzw. AHS sind bereits an den aktuellen Lehrplan 2023 angepasst.


Besonders sinnvoll ist es, gezielt jene Bereiche auszuwählen, in denen ein Kind Wiederholung oder Sicherheit braucht. So entsteht kein umfangreiches Lernprogramm für die Ferien, sondern eine überschaubare Unterstützung für den Sommer.

Fazit: Ferien dürfen Ferien bleiben

Lernen in den Ferien muss nicht laut, anstrengend oder konfliktreich sein. Wenn Lehrkräfte Eltern vorab gut begleiten, können sie viel Druck aus der Situation nehmen.

Kleine Routinen, realistische Ziele, Erfolgserlebnisse und passende Materialien helfen Kindern, wichtige Kompetenzen zu erhalten, ohne dass die Ferien ihren Erholungswert verlieren.

Denn am Ende geht es nicht darum, den Sommer durchzuplanen oder möglichst viele Seiten abzuarbeiten. Es geht darum, Kindern Sicherheit zu geben und den Schulstart im Herbst zu erleichtern.

Lernen darf auch in den Ferien seinen Platz haben. Wichtig ist nur, dass die Ferien trotzdem Ferien bleiben.

Quellen

Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000). The "What" and "Why" of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268. https://doi.org/10.1207/S15327965PLI1104_01

Koponen, T. et al. (2026). Summer learning loss: A scoping review (2014–2023). Educational Studies in Mathematics. https://link.springer.com/article/10.1007/s10671-025-09409-7