Mathe-Matura 2026/27

Änderungen bei der schriftlichen Mathematik-Matura 2026/27

VERITAS-Schulbuchautorin Katharina Sator-Wunsch gibt einen Überblick über die inhaltlichen und strukturellen Änderungen bei der schriftlichen Mathematik-Matura ab dem Haupttermin 2026/27 und zeigt, wie diese im Buch Thema Mathematik 8 für eine gezielte Vorbereitung auf die standardisierte Reifeprüfung umgesetzt werden. 


Was ändert sich ab dem Haupttermin 2026/27?

Die Zentralmatura verändert sich inhaltlich und strukturell weiter.
Ab dem Haupttermin 2026/27 sind insbesondere folgende Neuerungen relevant:

  • Zwei neue Grundkompetenzen zum Thema Normalverteilung werden prüfungsrelevant. 
  • Aufgabenformate werden leicht adaptiert bzw. neu gestaltet.

Grundkompetenzen

Ab dem Haupttermin 2026/27 werden zwei neue Grundkompetenzen im Bereich Wahrscheinlichkeitsverteilungen  geprüft: 

Wahrscheinlichkeitsverteilungen - ab Haupttermin 2027 prüfungsrelevant
WS 3.4  die Normalverteilung kennen und anwenden; Wahrscheinlichkeiten als Flächeninhalte unter dem Graphen der Dichtefunktion deuten und anwenden; die Bedeutung des Erwartungswerts und der Standardabweichung für den Graphen der Dichtefunktion kennen und anwenden
WS 3.5  Wahrscheinlichkeiten, Quantile und um den Erwartungswert symmetrische Intervalle einer normalverteilten Zufallsvariablen interpretieren und mit Technologieeinsatz ermitteln; die σ-Regeln (σ, 2σ, 3σ; siehe Formelsammlung) für normalverteilte Zufallsvariablen kennen und anwenden

Quelle: www.matura.gv.at (Stand 10.1.2026)

 

Abgrenzung zu früheren Grundkompetenzen
Diese neuen Grundkompetenzen sind nicht zu verwechseln mit Inhalten, die bis 2022 prüfungsrelevant waren, seither jedoch nicht mehr geprüft werden: 

Grundkompetenzen - seit Haupttermin 2022 nicht mehr prüfungsrelevant
Änderungsmaße
AN1.4  das systemdynamische Verhalten von Größen durch Differenzengleichungen beschreiben bzw. diese im Kontext deuten können 
Wahrscheinlichkeitsverteilungen 
WS 3.4  Normalapproximation der Binomialverteilung interpretieren und anwenden können 
Schließende/beurteilende Statistik
WS4.1 Konfidenzintervalle als Schätzung für eine Wahrscheinlichkeit oder einen unbekannten Anteil   interpretieren (frequentistische Deutung) und verwenden können; Berechnungen auf Basis der Binomialverteilung oder durch die Normalverteilung approximierten Binomialverteilung durchführen können. 

Was steht im Fokus – und was nicht?

Im Mittelpunkt der neuen Grundkompetenzen steht ein verständiges Arbeiten mit der Normalverteilung, unter anderem durch den gezielten Einsatz von Technologie.

Nicht vorgesehen sind hingegen:  

× die Standardnormalverteilung im Sinne eines tabellenbasierten Rechnens mit umfangreichen Φ-Tabellen, 

× die Approximation der Binomialverteilung durch die Normalverteilung, 

× Konfidenzintervalle.


Beispielhafte Aufgaben aus Thema Mathematik 8

Vertiefen wir unseren Blick auf Inhalte dieser beiden neuen Grundkompetenzen mithilfe beispielhafter Aufgaben aus Thema Mathematik 8

Beispielhafte Aufgaben aus Thema Mathematik 8 zu WS 3.4

Quelle: Thema Mathematik 8, S. 79
Quelle: Thema Mathematik 8, S. 77
Quelle: Thema Mathematik 8, S. 79
Quelle: Thema Mathematik 8, S. 79

Beispielhafte Aufgaben aus Thema Mathematik 8 zu WS 3.5

Quelle: Thema Mathematik 8, S. 79
Quelle: Thema Mathematik 8, S. 81
Quelle: Thema Mathematik 8, S. 79

Diese klare inhaltliche Fokussierung auf das verständige Arbeiten mit der Normalverteilung schafft Transparenz – sowohl für die Unterrichtsgestaltung als auch für die Prüfungsvorbereitung.

Didaktische Einordnung: Wie kann die Normalverteilung sinnvoll eingeführt werden?

Mit den neuen Grundkompetenzen WS 3.4 und WS 3.5 rückt die Normalverteilung wieder deutlich in den Fokus der schriftlichen Mathematik-Matura – allerdings mit einer klaren inhaltlichen Verschiebung. Gefordert ist kein formelzentriertes Rechnen und auch kein Arbeiten mit umfangreichen Tabellen, sondern ein verständiges Interpretieren, Anwenden und Ermitteln mithilfe von Technologie.

 

Damit stellt sich für viele Lehrkräfte ganz konkret die Frage:

Wie lässt sich die Normalverteilung so einführen, dass Schülerinnen und Schüler diese Anforderungen auch wirklich verstehen und bewältigen können?

 

  • Ein besonders tragfähiger Zugang ist ein genetisch-aufbauender und anschaulich fundierter Weg, der an vorhandenes Wissen anknüpft, ohne den neuen Inhalt zu überfrachten. Ausgangspunkt ist dabei die vertraute Vorstellung von Wahrscheinlichkeit als Fläche. Schülerinnen und Schüler kennen diese Idee bereits aus der Binominalverteilung, bei denen Wahrscheinlichkeiten als Summen einzelner Säulen interpretiert werden. Diese Flächenvorstellung wird bewusst aufgegriffen und weiterentwickelt.

  • Darauf aufbauend wird die Gauß’sche Glockenkurve als zentrales Objekt eingeführt – zunächst grafisch und phänomenologisch. Im Vordergrund stehen qualitative Eigenschaften wie Symmetrie, Lage und Streuung sowie die Rolle des Flächeninhalts. Erwartungswert und Standardabweichung werden nicht isoliert als Parameter behandelt, sondern in ihrer wirkungsvollen Bedeutung für Form und Lage der Kurve verstanden. Genau diese inhaltliche Verknüpfung ist wesentlich für die neue Grundkompetenz WS3.4.

  • In einem nächsten Schritt wird die Glockenkurve als Dichtefunktion interpretiert. Wahrscheinlichkeiten entsprechen im stetigen Fall Flächen unter dem Graphen. Die Integralvorstellung erhält dadurch eine inhaltlich motivierte Rolle und wird nicht als zusätzliche technische Hürde erlebt.

  • Die formale Definition der Normalverteilung bildet den Abschluss diesen Entwicklungsprozesses. Sie fasst die zuvor erarbeiteten Zusammenhänge präzise zusammen, ohne den Zugang zu verengen. σ-Regeln, Quantile und um den Erwartungswert symmetrische Intervalle werden anschließend verständig interpretiert und mithilfe von Technologie bestimmt – genau so, wie es die neue Grundkompetenz WS3.5 vorsieht.

Dieser Zugang ermöglicht es, die Normalverteilung als zentrale Modellvorstellung zu verstehen, die in vielen Kontexten Anwendung findet und in der Matura sinnvoll überprüfbar ist.

 

Wer die Normalverteilung auf diese Weise einführt, schafft eine solide Grundlage für das Arbeiten mit den neuen Grundkompetenzen. An diesem didaktischen Verständnis orientiert sich auch die Umsetzung der Normalverteilung in Thema Mathematik 8 mit einer klaren Trennung zwischen prüfungsrelevanten und nicht prüfungsrelevanten Inhalten.

 

Ab Haupttermin 2027 prüfungsrelevant

3.1

Gauß’sche Glockenkurve

Ziel: Eigenschaften der Gauß’schen Glockenkurve kennen und anwenden 

3.2 Normalverteilung

Ziel: Wahrscheinlichkeiten einer normalverteilten Zufallsvariable mit Technolgieeinsatz oder den σ-Regeln berechnen 
3.3

Umkehraufgaben zur Normalverteilung

Ziel: Umkehraufgaben mit Technologie lösen 

nicht prüfungsrelevant
3.4 

Standardnormalverteilung

Ziele:

  • Dichte- und Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung kennen 
  • Die Transformation verständig einsetzen
  • Intervallgrenzen mithilfe der Standardnormalverteilung berechnen
  • Erwartungswert und Standardabweichung mithilfe der Standardnormalverteilung berechnen
3.5. 

Normalapproximation der Binomialverteilung

Ziel: Normalapproximation der Binomialverteilung anwenden

3.6.

Konfidenzintervalle

Ziele: 

  • Konfidenzintervalle interpretieren
  • Konfidenzintervalle berechnen
  • Zusammenhang zwischen Stichprobenumfang, Sicherheit und Breite verstehen
  • Umkehraufgaben lösen
3.7.

Statistische Testverfahren

Ziele: 

  • Grundbegriffe von statistischen Hypothesentests verstehen
  • Irrtumswahrscheinlichkeit 1. Art kennen und mit Binomialverteilung berechnen
  • Tests mit vorgegebenem n und α mithilfe der Binomialverteilung konstruieren
  • Tests mit vorgegebenem n und α mithilfe der Normalverteilung näherungsweise konstruieren

Aufgabenformate

Parallel zu den inhaltlichen Anpassungen erfolgt im Zuge der Harmonisierung mit der BHS ab dem Haupttermin 2026/27 auch Änderungen bei den Aufgabenformaten

Aus dem bisherigen Format 4 zu 6 wird 2 zu 4. Auch bei Aufgaben dieser Art ist wieder eine Halbbepunktung vorgesehen. 

 

ALT: 4 zu 6

 

 

NEU: 2 zu 4 ab Haupttermin 2026/27

 

Aus dem bisherigen Format 1 aus 6 wird 1 aus 5. Um Verwechslungen zu vermeiden, wird es jeweils in eckiger Klammer bei den Aufgaben angegeben, wie viele Aussagen anzukreuzen sind.

 

ALT: 1 aus 6

 

 

NEU: 1 aus 5 ab Haupttermin 2026/27

 

Übersicht der Aufgabenformate ab 2026/27

  • Multiple Choice:
    • 2 aus 5
    • 1 aus 5
  • Zuordnungsformat:
    •  2 zu 4
  • Lückentext
  • Offene Aufgaben
  • Halboffene Aufgabenstellungen (auch mit Kästchen)

Einordnung in die langfristige Entwicklung der Matura

Die schriftliche Mathematik-Matura hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.

Bereits umgesetzt wurden unter anderem:

  • Anpassungen in Teil 2,
    • eine Aufgabe mit reduziertem Kontext (Aufgabe 25),
    • die Best-of-Wertung bei den Teil 2 Aufgaben (Aufgabe 26-28)
  • Gesamtverrechnung aller Punkte 

Thema Mathematik Oberstufe

Diesen strukturellen Entwicklungen folgend stellt Thema Mathematik zu allen Kapiteln der 5. und 6. Klasse eigens entwickelte rK-Aufgaben als kostenloses Zusatzmaterial auf scook zur Verfügung.

Die Aufgaben für die 7. und 8. Klasse befinden sich derzeit in Ausarbeitung.