Junglehrerin im Gespräch VERITAS Verlag Linz/Kristina Tischler

Interview mit VS-Lehrerin Zara Dürrschmid

„Jedes Kind ist einzigartig – das soll auch im Unterricht spürbar sein.“

Seit September 2024 unterrichtet Zara Dürrschmid an der Mary Ward Privatvolksschule in St. Pölten – eine Volksschule, die der VOSÖ (Vereinigung von Ordensschulen Österreichs) angehört – wo sie derzeit Klassenlehrerin der 2b ist. 

Die Schule legt besonderen Wert auf Persönlichkeitsentwicklung und Förderung der individuellen Stärken – ein Ansatz, den Zara mit viel Engagement und Herzblut lebt. Ihr Ziel: Kinder nicht nur fachlich, sondern auch menschlich wachsen zu lassen.
Im Interview erzählt sie, was sie an ihrem Beruf besonders liebt, welche Rituale ihren Schulalltag prägen und welche Tipps sie Junglehrer:innen für den Berufseinstieg mitgibt.


Nach der Matura haben Sie in mehreren Bereichen Berufserfahrung gesammelt. Was hat Sie dann dazu motiviert, Lehramt zu studieren?

Hauptsächlich war es meine Liebe zur Arbeit mit Kindern. Durch meine Erfahrungen – etwa im Sportverein – habe ich schnell gemerkt, dass ich mich in der Rolle als Lehrerin sehr wohl fühle. Das war der Moment, in dem ich wusste: Das Lehramtsstudium ist genau das Richtige für mich.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Am meisten schätze ich den intensiven Kontakt zu den Kindern – die Offenheit, die Freude und die Liebe, die sie einem jeden Tag entgegenbringen. Besonders schön ist es, wenn ich sehe, dass ich Werte und Haltungen mitgeben kann, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten, und einfach ein Teil davon sein darf.

Wie sieht ein klassischer Schultag bei Ihnen aus?

Unser Tag beginnt immer mit einem Morgengebet, das gehört bei uns als katholische Privatschule einfach dazu. Danach gibt es eine kleine Bewegungseinheit von fünf Minuten, um die Kids wachzurütteln und Energie für den Tag zu tanken.
Neue Lerninhalte – meist in Deutsch oder Mathematik – behandle ich in den ersten beiden Stunden, solange die Konzentration noch hoch ist. In der großen Pause wird gemeinsam gegessen, gelacht und geplaudert – das stärkt die Klassengemeinschaft.

In meiner Klasse dürfen die Kinder oft selbstständig arbeiten und sich Aufgaben frei einteilen. An erster Stelle stehen aber immer Spaß, Respekt, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit und Zusammenhalt. Zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden bauen wir kurze Bewegungspausen ein, um den Kopf wieder freizubekommen.

Mit welchen Lehrwerken von VERITAS arbeiten Sie dabei am liebsten?

Ich arbeite sehr gerne mit Miko, weil die gleichbleibenden Übungsformate den Kindern Sicherheit geben und sie dadurch gut selbstständig arbeiten können. 

Das Miko Leseheft mit seinen abwechslungsreichen Übungen ist außerdem ein großartiger Begleiter beim Lesenlernen.

Daneben nutze ich auch Findefix – das kindgerechte Wörterbuch ist ideal für den Einstieg in die Wörterbucharbeit. Besonders hilfreich finde ich das dazugehörende Nachschlagetraining, weil es mit wiederkehrenden Symbolen arbeitet und so Orientierung schafft.

Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis als Lehrerin – und was nehmen Sie daraus mit?

Ein einzelnes Erlebnis herauszugreifen ist schwer. Für mich sind es die vielen kleinen Momente im Alltag, wenn mir Schüler:innen und Eltern liebevolles Feedback geben. Das gibt mir das Gefühl, dass ich meinen Job gut mache und hier richtig bin.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Schulalltag und wie meistern Sie diese?

Herausforderungen gibt es viele: soziale Themen innerhalb der Klasse, organisatorische Dinge oder Elternarbeit. Ich versuche immer einen kühlen Kopf zu bewahren und suche dabei ebenso Rat bei meinen Kolleg:innen oder meiner Chefin.
Auch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder können herausfordernd sein – aber genau darin liegt auch das Spannende an unserem Beruf.

Wie können wir Sie als Verlag am besten unterstützen?

Ich würde mir mehr digitale Zusatzmaterialien wünschen – insbesondere Arbeitsblätter, die zu bestimmten Buchseiten oder Themen passen und sich flexibel ausdrucken lassen.

Welche Rolle spielt die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder in Ihrem Unterricht – und wie setzen Sie das konkret im Alltag um?

Ich lege viel Wert darauf, den Kindern kooperative Lernformen anzubieten. Außerdem versuche ich häufig Themen zum sozialen Lernen im Unterricht einzubauen, den Kindern viel Mitspracherecht zu geben und ein Vorbild für sie darzustellen. 
Die Kinder lernen, ihre eigenen Stärken und Schwächen wahrzunehmen, einander mit Respekt zu begegnen sowie gut und ehrlich zu kommunizieren und demokratisch zu handeln. Durch Tagespläne wird auch ihre Selbstständigkeit gefördert.

Wie schaffen Sie in Ihrer Klasse einen Raum, in dem sich Kinder sicher, gesehen und bestärkt fühlen können?

Ich nehme mir bewusst Zeit für Gespräche mit den Kindern – auch wenn dadurch manchmal der Zeitplan etwas durcheinanderkommt. Ich glaube, dass sich die Schüler:innen gerade dadurch gesehen und sicher fühlen. Unser Klassenraum ist liebevoll gestaltet und voller persönlicher Elemente: Fotos oder Zeichnungen von privaten Ereignissen und gemeinsamen Erlebnissen. Ein klarer Tagesablauf, der Klassenvertrag inklusive unserer Klassenregeln und gemeinsame Rituale geben den Kindern zusätzlich Sicherheit. Konsequenz und Wertschätzung sind für mich kein Widerspruch, sondern Grundlage einer guten Beziehung.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit VERITAS?

Ich schätze die unkomplizierte und verlässliche Zusammenarbeit sehr. Besonders mein Ansprechpartner Gerald Schweiger ist immer erreichbar und hilft bei allen Anliegen – sei es bei technischen Fragen zur Website oder bei fehlenden Materialien.

Was würden Sie anderen Berufseinsteiger:innen in der Volksschule gerne mitgeben? Gibt es Tipps und Tricks, die Sie gerne teilen?

Der Berufseinstieg ist definitiv ein Sprung ins kalte Wasser – aber einer, der sich lohnt. Anfangs ist vieles neu: Rituale, Organisation, Elternarbeit. Mein Tipp: Einfach machen und dabei nie den Spaß am Job und an der Arbeit mit den Kindern verlieren! Offen für Unterstützung von erfahrenen Kolleg:innen sein, aber gleichzeitig den eigenen Weg finden.
Ich habe mir kleine Routinen aufgebaut, die den Schulalltag erleichtern. Meine Tipps und Rituale in der Klasse:

Wir haben „Keinmucksmonster“ in der Klasse. Sie kommen erst aus ihrem Glas, wenn es in der Klasse ganz still ist und die Kinder konzentriert arbeiten. Wenn die „Keinmucksmonster“ da sind, dürfen die Kinder nur flüstern. Solche spielerischen Elemente funktionieren wunderbar, wenn man sie von Anfang an einführt.

Ich verwende gerne einen Gong als Ruhesignal und Zeichen, dass die Pause zu Ende ist. In der großen Pause gibt es zusätzlich eine Sanduhr, die dafür sorgt, dass alle Kinder 10 Minuten lang in Ruhe jausnen und auf ihrem Platz bleiben. Danach ist dann Spielpause oder Buch- und Malpause.

Bei uns in der Klasse gibt es auch drei Kommandos: „Kugelfisch“ bedeutet Mund zumachen, beim „Einfrieren“ erstarren alle und hören auf zu schreiben, und bei der „Brezel“ werden die Hände verschränkt.

Geburtstage sind bei uns immer etwas Besonderes: Wir singen das Geburtstagslied und das Kind bekommt ein kleines Geschenk und darf sich ein Rubbellos schnappen. Jedes Geburtstagskind trägt eine Krone und bekommt den Tisch dekoriert.

Wir bedanken uns herzlich bei Zara Dürrschmid für das offene Gespräch und die spannenden Einblicke in ihren Schulalltag. Ihr Engagement zeigt eindrucksvoll, wie wichtig individuelle Förderung, Persönlichkeitsentwicklung und ein wertschätzendes Miteinander in der Volksschule sind.


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Hinweis: Die Aufnahmen zu diesem Blogartikel wurden an der Mary Ward Privatvolksschule in St. Pölten gemacht. Zara Dürrschmid hatte hier Besuch von ihrer Studienkollegin Ruth Frühwirt.