Junglehrerin im Gespräch
VERITAS Verlag Linz/Kristina Tischler
Schule soll ein Ort sein, an dem man sich gesehen fühlt.
Der Berufseinstieg bringt viele neue Erfahrungen mit sich: die erste eigene Klasse, Verantwortung für junge Menschen und täglich neue Herausforderungen.
Linda Berger hat das selbst erlebt. Heute unterrichtet sie Englisch und Pädagogik an der BAfEP der Kreuzschwestern in Linz.
Besonders freut sie, dass sie an ihre ehemalige Schule zurückgekehrt ist – diesmal als Lehrerin. Die vertraute Umgebung aus einer neuen Perspektive zu erleben, macht ihre tägliche Arbeit für sie besonders.
Im Interview erzählt sie, was ihr den Einstieg erleichtert hat, warum gute Beziehungen zu Schüler:innen für sie unverzichtbar sind, wie sie Künstliche Intelligenz im Unterricht einsetzt und weshalb verlässliche Lehrwerke auch in Zeiten von KI ihren festen Platz haben.
An Ihrer Schule treffen viele Menschen, Altersgruppen und Bildungsbereiche aufeinander. Was macht diese besondere Schulgemeinschaft für Sie so wertvoll, und wo liegen die größten Herausforderungen?
Was ich an unserer Schule besonders schätze, ist die Vielfalt. Unter einem Dach treffen Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus ganz unterschiedlichen Bildungsbereichen aufeinander. Das schafft eine besondere Atmosphäre und man merkt, dass alle Teil einer großen Schulgemeinschaft sind.
Am Anfang war es natürlich eine Herausforderung, sich in einem so großen Kollegium zurechtzufinden.


Umso schöner war es zu erleben, wie offen und hilfsbereit die Kolleginnen und Kollegen sind. Ich habe mich schnell aufgenommen gefühlt und konnte mich mit ihnen jederzeit austauschen. Gerade dieser Austausch mit Lehrkräften aus unterschiedlichen Bereichen ist für mich unglaublich wertvoll. Man bekommt immer wieder neue Perspektiven und Ideen für den eigenen Unterricht – und lernt auch selbst ständig dazu.
Sie unterrichten Englisch und Pädagogik. Warum gerade diese Fächer?
Dass ich einmal Lehrerin werden würde, war ursprünglich gar nicht geplant. Nach der Schule wollte ich eigentlich Psychologie studieren. Im Laufe der Zeit habe ich aber gemerkt, dass das Lehramtsstudium genau das Richtige für mich ist.
Pädagogik hat mich bereits während meiner eigenen Schulzeit begeistert. Ich finde, dass gerade für angehende Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen ein fundiertes Verständnis für das Erleben und Verhalten von Menschen sowie bildungswissenschaftliche Erkenntnisse eine wichtige Grundlage für ihren späteren Beruf sind.
Besonders spannend an Englisch finde ich, dass sich mit dem Fach aktuelle Themen aufgreifen lassen und gleichzeitig Sprachkompetenz und Allgemeinbildung gefördert werden. Außerdem eröffnet Englisch jungen Menschen viele Möglichkeiten – und genau diese Relevanz erleben auch die Schülerinnen und Schüler im Unterricht.
Vier Jahre lang haben Sie parallel zum Studium unterrichtet. Welche Herausforderungen haben Sie dabei erlebt, was hat Ihnen besonders geholfen und welchen Rat würden Sie Studierenden geben, die bereits während ihrer Ausbildung unterrichten?
Die größte Herausforderung war für mich, Studium und Schule unter einen Hut zu bringen. Die Schule hatte natürlich immer Vorrang, deshalb musste ich mein Studium oft rund um Stundenplan, Konferenzen und die Unterrichtsvorbereitung organisieren. Mit der Zeit habe ich gelernt, mir den Druck zu nehmen und nicht alles gleichzeitig schaffen zu wollen. Es ist völlig in Ordnung, das Studium in einem etwas langsameren Tempo zu absolvieren, wenn sich Beruf und Studium dadurch gut vereinbaren lassen.
Mein Tipp für Studierende, die schon während der Ausbildung unterrichten möchten: Übernehmt gerade im ersten Jahr nicht zu viele Stunden. Ich habe mit elf Wochenstunden begonnen – das war für mich genau der richtige Umfang, um Berufserfahrung zu sammeln und gleichzeitig genug Zeit für das Studium zu haben.
Gerade zu Beginn der Lehrtätigkeit begegnet man immer wieder neuen und anspruchsvollen Situationen im Schulalltag. Was würden Sie Junglehrer:innen für solche Momente raten? Was hat Ihnen persönlich besonders geholfen?
Mein wichtigster Rat ist, sich am Anfang Zeit für den Aufbau einer guten Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern zu nehmen. Eine wertschätzende und vertrauensvolle Beziehung ist aus meiner Sicht die wichtigste Grundlage, um auch mit herausfordernden Situationen gut umgehen zu können.
Mir persönlich hat es außerdem sehr geholfen, von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu lernen. Sie haben viele Situationen schon erlebt und oft ganz praktische Lösungsansätze. Ich habe schnell gemerkt: Man muss nicht jede Erfahrung selbst machen, sondern kann viel vom Wissen anderer mitnehmen.
Künstliche Intelligenz ist längst Teil der Lebenswelt vieler Jugendlicher. Warum ist es Ihnen wichtig, dieses Thema aktiv in den Unterricht einzubinden und wie nutzen Sie KI konkret?


KI gehört für viele Schülerinnen und Schüler längst zum Alltag. Deshalb geht es für mich nicht darum, KI zu verbieten, sondern einen verantwortungsvollen Umgang damit zu vermitteln. Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Möglichkeiten kennen, aber auch lernen, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und KI bewusst einzusetzen. Ich sehe KI als Werkzeug, nicht als Ersatz für das eigene Denken.
Im Englischunterricht nutzen wir KI zum Beispiel, um Feedback auf Texte oder mündliche Beiträge zu bekommen und diese gezielt zu verbessern. Beim Lernen für Pädagogik ermutige ich die Schülerinnen und Schüler, KI als Lernhilfe zu nutzen – etwa bei Verständnisfragen oder wenn sie bei einem Thema nicht weiterkommen. Für mich bietet KI dann einen echten Mehrwert, wenn sie das eigene Denken unterstützt – und nicht ersetzt.
Wo sehen Sie die Grenzen von KI (im Unterricht)? Welchen Mehrwert können im Vergleich dazu Lehrwerke und Angebote von einem Bildungsverlag wie VERITAS bieten?
Gerade beim Lernen ist es wichtig, Informationen kritisch einzuordnen, Quellen zu hinterfragen und zu wissen, dass KI viele Fehler macht. Deshalb sind verlässliche Lehrwerke für mich nach wie vor unverzichtbar. Sie bieten fachlich geprüfte und gut aufbereitete Inhalte, auf die ich mich im Unterricht verlassen kann. KI kann das sinnvoll ergänzen – ersetzen kann sie Lehrwerke aus meiner Sicht aber nicht. Am meisten profitieren die Schülerinnen und Schüler, wenn beides gut zusammenspielt.
Spätestens am Ende des Tages suche ich jedoch das Gespräch mit dem Kind und bespreche die Situation in einem ruhigen, wertschätzenden Ton. Es ist mir wichtig, den Tag mit einem positiven Gefühl für alle Beteiligten abzuschließen – und das gelingt auf diese Weise meist sehr gut.
Mit welchen Lehrwerken von VERITAS arbeiten Sie besonders gerne und was schätzen Sie daran?
Im Englischunterricht arbeite ich besonders gerne mit English in Context und Careers in Childcare.
Mir gefällt vor allem die große Vielfalt an Übungsaufgaben. So finde ich schnell passende Aufgaben für den Unterricht, für Schularbeiten oder zur Vorbereitung auf die Reifeprüfung. Besonders praktisch sind auch die digitalen Lösungen. Sie erleichtern mir die Vorbereitung und unterstützen die Schülerinnen und Schüler dabei, selbstständig zu lernen und ihre Lösungen zu kontrollieren.


Schulische Leistungen sind für Sie nicht das einzige Kriterium, an dem ein Mensch gemessen werden sollte. Warum liegt Ihnen dieses Thema besonders am Herzen?
Schulische Leistungen sind wichtig, aber sie erzählen nie die ganze Geschichte. Gerade Jugendliche stehen oft unter großem Druck und machen in dieser Lebensphase viele Veränderungen durch. Deshalb ist es mir wichtig, sie nicht nur an ihren Noten zu messen, sondern den Menschen dahinter zu sehen.
Gute Noten sind schön, aber sie sagen nur einen Teil darüber aus, was jemand kann. Ich möchte die Stärken und die persönliche Entwicklung meiner Schülerinnen und Schüler wahrnehmen und ihnen zeigen, dass ihr Wert nicht von einer Note abhängt.
Schule soll für mich nicht nur ein Ort des Lernens sein, sondern auch ein Ort, an dem man sich gesehen und ernst genommen fühlt. Ich habe das selbst als Schülerin erlebt – und genau dieses Gefühl möchte ich heute an meine Schülerinnen und Schüler weitergeben.
Was würden Sie anderen Berufseinsteiger:innen gerne mit auf den Weg geben? Gibt es Tipps oder Erfahrungen, die Sie gerne früher gekannt hätten?


Mein wichtigster Rat ist, sich den Berufsalltag mit kleinen Routinen zu erleichtern. Oft sind es einfache Methoden, die viel bewirken.
Am Anfang ist es zum Beispiel gar nicht so leicht, sich alle Namen zu merken. Mir helfen dabei Namenskärtchen, die die Schülerinnen und Schüler selbst gestalten – am besten mit einem Symbol, das zu ihnen passt. So lernt man die Namen schneller und kommt auch leichter miteinander ins Gespräch.
Auch im Umgang mit digitalen Geräten habe ich eine einfache Regel entwickelt: Während meiner Erklärungen drehen alle Tablets und Notebooks zu mir. So sind die Schülerinnen und Schüler weniger abgelenkt, ich sehe gleichzeitig ihren Arbeitsstand und danach können sie direkt weiterarbeiten.
Für die Wiederholung von Vokabeln nutze ich gerne ein Bewegungsspiel. Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich gegenüberstehen. Ich nenne einen deutschen Begriff und die beiden vordersten Schülerinnen oder Schüler versuchen möglichst schnell, die englische Übersetzung zu nennen. Wer richtig antwortet, bleibt stehen, die andere Person wechselt ans Ende der anderen Reihe. So werden die Gruppen laufend neu gemischt. Die Bewegung bringt Abwechslung in die Vokabelwiederholung und hält die Schülerinnen und Schüler aktiv – und weil die Gruppen ständig wechseln, gibt es am Ende keine klassischen Gewinner oder Verlierer.
Gibt es ein Unterrichtserlebnis oder einen Erfolgsmoment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und Sie in Ihrer Arbeit bestärkt hat?
Für mich sind es gar nicht die großen Erfolgsmomente, sondern die vielen kleinen Begegnungen im Schulalltag.
Wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler für eine zusätzliche Erklärung oder ein zusammenfassendes Arbeitsblatt bedankt, zeigt mir das, dass sich der Einsatz lohnt.
Auch gemeinsame Lacher im Unterricht oder kurze Gespräche nach der Stunde bleiben mir in Erinnerung. Das sind oft die Momente, in denen man merkt, dass Vertrauen entstanden ist.
Genau diese kleinen Begegnungen machen für mich den Lehrerberuf aus. Sie erinnern mich jeden Tag daran, warum ich diesen Beruf so gerne mache.
5 Fragen an Linda Berger
Praxistipps für den Unterricht von Linda
Sind auch Sie neu im Lehrberuf?


Der Berufseinstieg bringt viele neue Aufgaben mit sich. Damit Sie sich von Anfang an gut zurechtfinden, finden Sie bei uns FAQs für den Berufseinstieg, das ABC für neue Lehrkräfte sowie Unterrichtstipps für (Jung-)Lehrer:innen – mit vielen praxistauglichen Impulsen.