Junglehrerin im Gespräch
VERITAS Verlag Linz/Jasmin Schnitzer
Interview mit VS-Lehrerin Ruth Frühwirt
Kinder dort abholen, wo sie sind – Berufseinstieg mit Herz und Haltung
Ruth Frühwirt ist Klassenlehrerin der 2b an der Volksschule Rohrbach an der Gölsen und seit September 2024 als Lehrerin tätig. Nach ihrer Zeit im Anzeigenverkauf bei den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) entschied sie sich für ein Primarstufenstudium und kam so über den zweiten Bildungsweg in die Schule.
Im Interview verrät sie, warum ihr die individuelle Förderung von Kindern wichtig ist, wie sie die Selbstständigkeit ihrer Schüler:innen stärkt und mithilfe von abwechslungsreichen Methoden Freude am Lernen weckt.
Was hat Sie dazu bewegt, sich für den Beruf als Lehrerin zu entscheiden – und diesen Weg über eine berufliche Zwischenstation zu gehen?
Schon früher hatte ich den Gedanken, Lehrerin zu werden. Nach der Matura wollte ich jedoch zunächst ins Berufsleben einsteigen und mein eigenes Geld verdienen. Ich bekam eine Anstellung beim NÖ Pressehaus und arbeitete dort zwölf Jahre lang. Irgendwann merkte ich, dass ich keine Möglichkeit mehr zur persönlichen Weiterentwicklung hatte – und so entschied ich mich mit knapp 30 Jahren Lehrerin zu werden. In diesem Beruf habe ich das Gefühl, die Welt ein Stück weit mitgestalten und einen wertvollen Beitrag leisten zu können – ein Gefühl, das mir in meiner bisherigen Laufbahn gefehlt hat.
Wie haben Sie den Einstieg in den Schulalltag erlebt? Was hat Sie überrascht, was bestärkt?
Der Einstieg in den Schulalltag war für mich sehr herausfordernd. Ich nahm mir anfangs nur wenig Zeit für außerschulische Aktivitäten. Während des fünfjährigen Studiums kam die Praxiserfahrung – auch bedingt durch die Corona-Pandemie – deutlich zu kurz. Umso mehr war ich überrascht vom tatsächlichen Aufwand und den vielen organisatorischen Aufgaben, die im Schulalltag zusätzlich anfallen. Trotz der anfänglichen Herausforderungen erlebte ich diese Zeit als sehr bereichernd: Die Begeisterungsfähigkeit und Neugier der Kinder, ihr Vertrauen und die sichtbaren Lernfortschritte jedes einzelnen Kindes gaben mir viel Motivation. Besonders schön war es zu beobachten, wie sich auch schüchterne Kinder zunehmend öffneten und Freude am Schulbesuch entwickelten.
Wie starten Sie mit Ihrer Klasse in den Schultag? Gibt es Rituale?
Am Montag beginnen wir immer mit einem Morgenkreis. Die Kinder erzählen, was sie am Wochenende erlebt haben, und wir besprechen die Tagestransparenz und Besonderheiten des Tages. Natürlich darf ein gemeinsames Lied oder ein Guten-Morgen-Spruch nicht fehlen. Das Besondere: Der Morgenkreis wird immer von einem Kind geleitet.
Freitags wird auf die gesamte Woche zurückgeblickt: Mithilfe von Farbenmonstern sprechen wir über Gefühle, über das, was gut gelungen ist, und über Dinge, bei denen sich die Kinder verbessern möchten. Das stärkt das Bewusstsein für die eigene Entwicklung und fördert den Klassenzusammenhalt.
Mit welchem Lehrwerk von VERITAS arbeiten Sie in der Klasse am liebsten?


In der ersten Klasse habe ich mit dem Lehrwerk Das Mathebuch gearbeitet, heuer verwende ich Miko. Besonders schätze ich die interaktiven Übungen und Hörbeispiele. Sie machen das Lernen anschaulicher und lebendiger. Die Schüler:innen können Inhalte selbst entdecken, sehen und hören – das fördert ihr Verständnis. Die unterschiedlichen Medien helfen dabei, auf verschiedene Lernkanäle einzugehen und alle Kinder zu motivieren.
Wie erleben Sie den Spagat zwischen Förderung und Forderung im Schulalltag?
Meine Empfindung: manchmal anstrengend, aber auch sehr wertvoll. Genau dieser Spagat fordert mich dazu heraus, flexibel zu planen, genau zu beobachten und kreativ zu sein. Gleichzeitig sehe ich, wie Kinder durch individuelle Förderung und gezielte Forderung Freude am Lernen behalten. Das motiviert nicht nur die Kinder – sondern auch mich selbst.
Was hilft Ihnen in herausfordernden Situationen im Klassenzimmer – besonders als Berufseinsteigerin?
Ich versuche, ruhig zu bleiben, tief durchzuatmen und auf bewährte Strukturen zu vertrauen. Mir ist wichtig, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel durch Fragen wie: „Wie würdest du dich dabei fühlen, wenn …?“ oder „Was könntest du beim nächsten Mal anders machen?“. So lernen die Kinder, die Folgen ihres Handelns zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen. Natürlich gelingt es mir nicht immer, in jeder Situation gelassen zu bleiben.


Spätestens am Ende des Tages suche ich jedoch das Gespräch mit dem Kind und bespreche die Situation in einem ruhigen, wertschätzenden Ton. Es ist mir wichtig, den Tag mit einem positiven Gefühl für alle Beteiligten abzuschließen – und das gelingt auf diese Weise meist sehr gut.
Was wünschen Sie sich als neue Lehrerin vom Schulsystem, von Kolleg:innen – und von einem Bildungsverlag wie VERITAS?
Vom Schulsystem wünsche ich mir offenere Lernräume mit geringerer Schüler:innenanzahl, mehr Zeit für die individuelle Förderung der Kinder und weniger bürokratische Aufgaben, damit mehr Raum für pädagogische Arbeit bleibt. Von Kolleg:innen wünsche ich mir Offenheit, Teamgeist und gegenseitige Unterstützung, um voneinander zu lernen und gemeinsam zu wachsen. Von VERITAS wünsche ich mir praxisnahe, moderne Materialien, die Lehrkräfte entlasten und die Freude am Lernen fördern.


Sie legen besonderen Wert auf Selbstständigkeit und Motivation: Wie fördern Sie das konkret im Unterricht?
Ich fördere die Selbstständigkeit der Schüler:innen durch Regeln und Ordnung. Eine klare Organisation des Unterrichts erleichtert den Kindern die Orientierung. Gleichzeitig biete ich ihnen unterschiedliche Lernmaterialien an und animiere sie dazu auf ihre eigenen Leistungen und Erfolge stolz zu sein. Darum lobe ich sie regelmäßig, wie zum Beispiel: „Klopf dir selbst auf die Schulter, das hast du nämlich richtig gut gemacht!“. Wenn Kinder entdecken, dass sie etwas allein geschafft haben, wachsen Motivation und Selbstbewusstsein von ganz allein. Die Kinder sind stolz, wenn sie selbstständig nachgelesen haben, was sie bei einer Aufgabe im Schulbuch machen müssen, ohne mich gefragt zu haben.
Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit VERITAS? Wie unterstützt Sie unser Außendienst?
An der Zusammenarbeit mit VERITAS schätze ich die gute Betreuung, die große Auswahl an praxisnahen Materialien und die modernen, kindgerechten Lehrwerke. Besonders hilfreich finde ich die digitale Unterstützung und die interaktiven Zusatzangebote. Die Fachberater und die Kundenberatung sind stets freundlich, zuverlässig und unterstützen mich bei Fragen oder Bestellungen rasch und kompetent.
Haben Sie ein Erfolgserlebnis, das Sie besonders motiviert?
Für mich sind es die vielen kleinen Momente im Unterricht: wenn ein Kind nach vielem Üben eine Aufgabe selbstständig lösen kann, wenn jemand mit Freude erzählt, dass Lesen plötzlich Spaß macht oder wenn die Klasse gemeinsam etwas Neues entdeckt. Diese alltäglichen Fortschritte geben mir das Gefühl, etwas Positives zu bewirken, und motivieren mich jeden Tag aufs Neue.
Was würden Sie anderen Berufseinsteiger:innen in der Volksschule gerne mitgeben? Gibt es Tipps und Tricks, die Sie gerne teilen?
Ich würde allen Berufseinsteiger:innen mitgeben: Einsatz zahlt sich aus, denn Begeisterung ist ansteckend. Kinder spüren sofort, wenn man mit Herz bei der Sache ist. Das wirkt sich positiv auf das Lernklima aus und macht den Schulalltag erfüllend.
Meine Tipps:
- Wenn die Kinder selbstständig ein Mathematik-Quiz lösen, drucke ich auf die Rückseite immer ein Ausmalbild. Die Kinder, die fertig sind, drehen ihr Blatt um und malen so lange, bis die Zeit abgelaufen ist und das Quiz abgegeben wird. So bleiben sie ruhig und beschäftigt, bis alle fertig sind – und niemand langweilt sich.
- Außerdem hat sich das System „Helfende Hände“ sehr gut etabliert. Bei mir gibt es keine herkömmlichen Klassendienste. Alles, was zu erledigen ist, wie Botengänge, Hefte austeilen, Milchkisterl holen usw., wird in einer Woche von den Helfenden Händen erledigt. Als Belohnung dürfen die jeweiligen Kinder immer vorne in der 2er-Reihe gehen. Somit können ebenso Kinder, die beim Anziehen länger brauchen, auch einmal ganz vorne gehen.
Herzlichen Dank an Ruth Frühwirt für die offenen Einblicke in ihren Schulalltag. Ihr Weg zeigt, wie viel Mut, Engagement und Herz in der Entscheidung stecken, einen neuen Berufsweg einzuschlagen. Mit klarer Struktur, liebevollen Ritualen und einem großen Fokus auf Selbstständigkeit schafft sie in ihrer Klasse einen Raum, in dem sich Kinder sicher fühlen, Verantwortung übernehmen und mit Freude lernen können.
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Hinweis: Die Aufnahmen zu diesem Blogartikel wurden an der Mary Ward Privatvolksschule in St. Pölten gemacht. Ruth Frühwirt war hier zu Besuch bei ihrer Studienkollegin Zara Dürrschmid.