Fake News
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Fake – Ja oder Nein? Was hilft gegen Fake News?
Fake News - kein neues Phänomen
Fake News sind kein neues Phänomen, sondern ein historisch gewachsenes Instrument politischer Kommunikation. Schon in der Antike, in Kriegspropaganda oder in totalitären Systemen wurden manipulierte Informationen genutzt, um Macht zu sichern und öffentliche Meinung zu steuern.
Demokratiebildung
Neu sind heute Geschwindigkeit und Reichweite digitaler Medien:
Informationen verbreiten sich ohne klassische journalistische Filter, wodurch Desinformation zur besonderen Herausforderung für demokratische Gesellschaften wird. Social-Media-Algorithmen verstärken dies, da sie auf Aufmerksamkeit optimiert sind und emotionalisierende Inhalte häufiger anzeigen als überprüfte Fakten (Rage-Bait, Click-Bait, vereinfachte Narrative usw.). Damit wächst die Bedeutung von Demokratiebildung, denn demokratische Systeme sind auf informierte, urteilsfähige Bürgerinnen und Bürger angewiesen.
Begriffserklärungen
Rage‑Bait bezeichnet Inhalte, die gezielt Empörung oder Wut auslösen sollen, um dadurch mehr Interaktionen zu erzeugen. Die Strategie basiert darauf, dass starke negative Emotionen Menschen eher dazu bringen, zu kommentieren, zu teilen oder sich in Diskussionen zu verstricken.
Click‑Bait meint Inhalte, die mit übertriebenen oder irreführenden Überschriften zum Anklicken verleiten sollen. Der Fokus liegt weniger auf Emotionen als auf Neugier, Sensationslust oder FOMO (Fear of Missing Out).
Hinweise für Lehrkräfte


Für den Unterricht in Geschichte und Politischer Bildung ergibt sich daraus ein klarer Bildungsauftrag:
Schülerinnen und Schüler müssen lernen, Informationen kritisch zu prüfen, politische Interessen zu erkennen und Quellen zu hinterfragen. Diese Fähigkeiten sind zentrale Elemente der Demokratiebildung, denn sie ermöglichen jungen Menschen, sich aktiv, reflektiert und verantwortungsvoll am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen. Kinder und Jugendliche benötigen Orientierungskompetenz, um Informationen einzuordnen und Manipulation zu erkennen.
76 % der Jugendlichen geben laut Studien an, bereits Fake News ausgesetzt gewesen zu sein. Gleichzeitig fällt es vielen ohne gezielte Förderung schwer, die Glaubwürdigkeit von Online-Informationen einzuschätzen.[1]
Untersuchungen der Stanford History Education Group zeigen jedoch, dass schon wenige Stunden Training die Fähigkeit, Fake News zu erkennen, deutlich verbessern können.[2]
Fazit: Fake-News-Kompetenz ist kein Zusatzthema, sondern ein zentraler Bestandteil historisch-politischer Bildung. Sie stärkt demokratische Urteilskraft, Quellenkritik und verantwortungsvolle Teilhabe am politischen Diskurs und ist damit ein wesentlicher Baustein moderner Demokratiebildung.
[1] https://ijab.de/alle-kurzmeldungen/eu-parlament-eurobarometer-youth-survey-2024 (Stand: 14.02.2026)
[2] https://ed.stanford.edu/news/it-doesn-t-take-long-learn-how-spot-misinformation-online-stanford-study-finds (Stand: 14.02.2026)
Hinweise zu den Arbeitsblättern für die Lehrkraft
Die angegebenen Zeiten und Erklärungen dienen als Orientierung. In Klassen mit hoher Diskussionsfreude sollte entsprechend mehr Zeit eingeplant werden. Die Arbeitsblätter sind bewusst so gestaltet, dass sie interaktive und zum Austausch anregende Aufgaben enthalten.
- Zu Aufgabe 1: Definition: Fake-News-Begriff (50 min)
- Zu Aufgabe 2: Podcast: Was hilft gegen Fake News? (50 min)
- Zu Aufgabe 3: Fake: Ja oder Nein? (50 min)
1. Definition: Fake-News-Begriff
Alle Schülerinnen und Schüler können vermutlich mit dem Begriff etwas anfangen, verbinden aber unterschiedliche Erfahrungen damit.
1.1. Einstieg: Visualisierung: Was weißt du über „Fake News“?
Option A: „Stummes“ Brainstorming an der Tafel/Whiteboard
Durchführung:
- Die Lehrerin oder der Lehrer schreibt eine Überschrift an die Tafel.
- Die Schülerinnen und Schüler ergänzen einzeln und „stumm“ passende Begriffe (maximal ein bis drei Wörter). Bereits vorhandene Begriffe dürfen kommentiert oder erweitert, aber nicht durchgestrichen werden.
- Die Methode wird so lange fortgeführt, wie es im Raum ruhig bleibt; manchmal muss die Lehrkraft kurze Stille bewusst „aushalten“.
- Anschließend werden die gesammelten Begriffe gemeinsam besprochen und eingeordnet.
Ziel:
- Aktivierung aller Lernenden
- Strukturierte Auseinandersetzung mit dem Thema
- Förderung der schriftlichen Ausdrucksfähigkeit
- Entschleunigung der Diskussion
- Nutzung eines analogen Mediums
Option B: Brainstorming erfolgt mithilfe einer digitalen Wordcloud, zum Beispiel über die Plattform www.mentimeter.com.
Die Schülerinnen und Schüler geben ihre Begriffe digital ein, sodass eine visuelle Sammlung der häufigsten und wichtigsten Wörter entsteht. Anschließend werden die Ergebnisse gemeinsam im Plenum besprochen und inhaltlich eingeordnet.
1.2. Merkblatt für Schüler:innen


Das Merkblatt zum Erkennen von Fake News schult Schülerinnen und Schüler im „Lateral Reading“, einer entscheidenden Strategie zur Bewertung von Online-Quellen. Man verlässt dabei die ursprüngliche Quelle „seitlich“, um in neuen Umgebungen (z. B. Tabs) die Informationen kritisch und seriös zu überprüfen.
Ziel: Die Schülerinnen und Schüler werden geschult, Informationen über die Quelle zu suchen, anstatt nur auf ihr zu lesen.
2. Podcast: Was hilft gegen Fake News?
Viele Schülerinnen und Schüler kennen Podcasts zwar grundsätzlich als Medium, haben sie jedoch häufig noch nicht aktiv genutzt oder gezielt als Lernressource erprobt; die Arbeit mit Podcasts eröffnet daher die Chance, ein bekanntes, aber oft noch wenig ausgeschöpftes Format pädagogisch sinnvoll in den Unterricht zu integrieren.
Es ist zu empfehlen, die Schülerinnen und Schüler auf ihren eigenen Endgeräten mit der Podcast-App ihrer Wahl und Kopfhörern arbeiten zu lassen. Dies ermöglicht Lernen im individuellen Tempo (Pausieren, Wiederholen). Dadurch wird selbständiges Lernen und eigenverantwortliche Informationsverarbeitung unterstützt.
Podcasts fördern das Hörverstehen und das konzentrierte Zuhören. Sie trainieren zudem kritisches Denken und Medienkompetenz (Quellenbewertung, Perspektiven erkennen). Vor allem bieten sie aber einen niederschwelligen Zugang zu komplexen Themen durch ihre narrative Aufbereitung.
2.1. Einstieg: Titel vorlesen und Hör-Erwartungen der Schülerinnen und Schüler abfragen
- Worum könnte es in dem Podcast gehen?
- Gibt es überhaupt „Strategien“ gegen Fake News. Falls ja, welche könnten das sein?
2.2. Arbeitsauftrag zum Podcast
a) Löse das Arbeitsblatt (Multiple Choice)
- Fasse wichtige Aussage zusammen.
- Notiere Informationen, die dich überrascht haben.
- Nenne Fragen, die für dich offenbleiben.
b) Mögliche Arbeitsaufträge für die Nachbearbeitung (Auswahl):
- Erschließe, welche Perspektiven vorkommen und welche nicht
(z. B. Expertin/Experte, Politikerin/Politiker, Geschädigte/Geschädigter, Social-Media-Vertreterin/Vertreter, Journalistin/Journalist). - Formuliere und überprüfe drei Hypothesen zum Podcast, z. B:
- Fake News könnten durch Gesetze und andere Algorithmen stark reduziert werden – aber Social-Media-Unternehmen haben wenig Interesse daran.
- Betreiber der Plattformen versuchen die Schuld von sich zu weisen, indem sie behaupten, sie wären nur für die Plattform verantwortlich und nicht für deren Inhalte.
- Wer versteht, wie Fake News funktionieren, fällt seltener darauf herein – ganz verhindern lassen sie sich aber nie.
- Untersuche und bewerte die Seriosität des Podcast (Impressum, WDR, Experten usw.)
- Erörtere, wo euch dieses Thema in eurem Alltag begegnet, z. B. auf Social Media, in der Schule, in der Familie oder bei Freunden.
- Diskutiere abschließend: Wie hätte man den Podcast verbessern können?
3. Fake – Ja oder Nein?
3.1. Arbeitsblatt: Fake - Ja oder Nein?
Das vorliegende Arbeitsblatt 3 dient dazu, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern typische Merkmale von Fake News zu erkennen, zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
Ziel ist, dass sie erkennen, dass Fake News nicht harmlos oder sogar lustig (im Sinne von Memes) sind, sondern dass dahinter zumeist gezielt beeinflussende oder kriminelle Interessen stehen. Dadurch wird die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler nachhaltig gestärkt.
Nach der Analyse können die Schülerinnen und Schüler die QR-Codes auf dem Arbeitsblatt eigenständig scannen und erfahren, ob ihre Antworten korrekt waren oder nicht.
Lösungen Arbeitsblatt 3
| 1. FAKE: www.watchlist-internet.at/news/deepfake-videos-mit-bekannten-gesichtern-locken-in-investmentfallen | ![]() |
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2. FAKE: Screenshot an Stelle 3:20 im Video www.watchlist-internet.at/news/deepfake-videos-mit-bekannten-gesichtern-locken-in-investmentfallen Armin Wolf erklärt, dass dieses gefälschte Interview mit AI erstellt wurde. |
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| 3. KEIN FAKE: Laut Mimikama ist es kein Fake: www.mimikama.org/streik-japan-2018-fahrgaeste-gratis. | ![]() |
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4. FAKE und KEIN FAKE; 23.01.2026: Das Foto wurde manipuliert. Es ist jedoch kein Fake, dass das Foto anschließend offiziell vom Weißen Haus geteilt wurde und selbst nach dem Manipulationsbeweis noch verteidigt wurde: |
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5. FAKE; 14.08.2019: Wird auf www.mimikama.at als Fake identifiziert. Auch eine Textsuche im Internet ergibt schnell das richtige Ergebnis. Sehr reißerische Aufmachung (grelle Farben: im Original hellgrüner Hintergrund, rote Schrift). Die markante Überschrift in Großbuchstaben will täuschen: „FAKTEN, drei Tippfehler sind zu finden: „das“ „teuereste“, „höchten“. |
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3.2. ORF-Erklärvideo
Zur Nachbearbeitung kann ein kurzes ORF-Erklärvideo (8:06 min) eingesetzt werden, das zentrale Strategien von Fake News anschaulich darstellt und eine fundierte Grundlagefür die anschließende Bearbeitung und Diskussion im Unterricht bietet.


Mögliche Fragen für die Nachbesprechung des Videos
- Erkläre in eigenen Worten, warum Fake News problematisch sein können.
- Beschreibe zwei Merkmale, an denen Fake News laut Video erkannt werden können.
- Erkläre, warum man Informationen nicht sofort weiterleiten sollte.
- Ordne zu, welche Beispiele aus dem Video eher glaubwürdig wirken und welche nicht.
- Nimm Stellung, warum Medienkompetenz heute eine zentrale Schlüsselkompetenz ist.
- Reflektiere, wie du persönlich zur Eindämmung von Fake News beitragen kannst.
- Beurteile, warum es oft schwierig ist, Fake News eindeutig zu erkennen. Welche Hypothese für die Zukunft wird im Video aufgestellt?
- Diskutiere, ob Social-Media-Plattformen stärker gegen Fake News vorgehen sollten.





