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Demokratiebildung in der Schule

Wie wir junge Menschen im digitalen Zeitalter stärken

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade im digitalen Zeitalter zeigt sich, wie anspruchsvoll es geworden ist, Orientierung zu geben und Vertrauen aufzubauen. Schüler:innen bewegen sich täglich zwischen TikTok, Nachrichten und KI-generierten Inhalten. 

Was stimmt – und was stimmt nicht?

Informationen sind jederzeit verfügbar. Doch was stimmt – und was nicht? Diese Frage begleitet den Alltag vieler Jugendlicher – auch im Klassenzimmer.

Gleichzeitig zeigt sich ein klares Bild: 82 % der Jugendlichen sind der Meinung, dass die regelmäßige Teilnahme an Wahlen Pflicht ist*, und 79 % wünschen sich mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten*. Das Interesse an demokratischen Prozessen ist also vorhanden. Der Wunsch, gehört zu werden, ebenso.

Wie gelingt Demokratiebildung in der Schule so, dass sie einen wirklichen Mehrwert bietet?

Die entscheidende Frage lautet daher: Wie gelingt Demokratiebildung in der Schule so, dass sie einen wirklichen Mehrwert bietet?

Antworten darauf lieferte die Veranstaltung der KPH Wien/Niederösterreich, AK Niederösterreich und Donau-Universität Krems „Demokratie lehren, lernen, leben. Politische Bildung im digitalen Zeitalter“ an der Arbeiterkammer St. Pölten. Sie hat gezeigt, wie wichtig es ist, Demokratie nicht nur zu erklären, sondern im Schulalltag erlebbar zu machen.

Demokratiebildung im digitalen Zeitalter – warum sie gerade heute entscheidend ist

Demokratiebildung findet heute in einer völlig veränderten Realität statt. Digitale Medien prägen den Alltag von Jugendlichen – und damit auch ihre politische Wahrnehmung. Informationen verbreiten sich schnell, oft ungeprüft und emotional zugespitzt. Algorithmen verstärken bestehende Meinungen. Künstliche Intelligenz kann Inhalte erzeugen, die auf den ersten Blick glaubwürdig wirken. Für Schüler:innen wird es dadurch immer schwieriger, zwischen Information, Meinung und Manipulation zu unterscheiden.

Genau hier setzt zeitgemäße Demokratiebildung an: Sie kann nicht nur Wissen über politische Systeme vermitteln. Sie muss junge Menschen dabei unterstützen, sich in einer digitalen Öffentlichkeit zurechtzufinden – kritisch, reflektiert und handlungsfähig.

Ansätze für den Unterricht, die Schüler:innen stärken

Wie das konkret im Unterricht aussehen kann, zeigen einfache Ansätze, die sich direkt umsetzen lassen: 


Demokratie lehren, lernen, leben – Eindrücke aus St. Pölten

Am 9. April 2026 wurde St. Pölten zum Treffpunkt für alle, die Demokratiebildung aktiv gestalten. Unter dem Titel „Demokratie lehren, lernen, leben. Politische Bildung im digitalen Zeitalter“ kamen rund 160 Teilnehmer:innen zusammen – darunter etwa 120 Pädagog:innen.

Schon beim Ankommen wurde deutlich: Hier geht es um mehr als fachlichen Input. Der Austausch stand im Mittelpunkt. Lehrkräfte nutzten die Gelegenheit, sich zu vernetzen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam über Herausforderungen im Unterricht zu sprechen.

Die Atmosphäre war offen und wertschätzend. Viele Gespräche drehten sich um eine gemeinsame Frage: Wie können wir junge Menschen dabei unterstützen, Demokratie zu verstehen und aktiv mitzugestalten?

Dr. Peter Filzmaier - Demokratiebildung in der Mediengesellschaft

Den inhaltlichen Auftakt machte Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier mit seiner Keynote zur Demokratiebildung in der Mediengesellschaft.

In vier Workshops wurden im Anschluss zentrale Themen praxisnah vertieft:

  • Umgang mit (KI-)Desinformation
  • Debattierformate als Werkzeug gegen Polarisierung, Fake News und Meinungsblasen
  • Demokratiebildung zwischen Smartphone, Bundesverfassung und gesundem Menschenverstand
  • Kritische Mediennutzung und Begeisterung der nächsten Generation für Journalismus


Ergänzt wurden diese Perspektiven durch den Input und die Abschlussrede von Bundesminister Christoph Wiederkehr, der auch Fragen aus dem Publikum aufgriff.

Was Lehrkräfte konkret tun können

Demokratiebildung wird dann wirksam, wenn Schüler:innen selbst aktiv werden. Genau hier können Lehrkräfte im Unterricht ansetzen – auch ohne großen Mehraufwand. Viele dieser Formate lassen sich direkt in bestehende Stunden integrieren, zum Beispiel als Einstieg, in der Diskussionsphase oder als kurze Reflexion.

Vier Ansätze für den Unterricht, die Schüler:innen stärken

  • Faktencheck im Unterricht
    Nachrichtenbeispiele: Quellen prüfen, Bilder hinterfragen, Schlagzeilen einordnen (z. B. zwei Schlagzeilen zum gleichen Thema vergleichen und gemeinsam bewerten)
  • digitale Zivilcourage fördern
    Postings analysieren, Argumentationsmuster prüfen und Interventionsstrategien entwickeln (z. B. Kommentare auf TikTok gemeinsam reflektieren)
  • schuldemokratische Formate
    z. B. Klassenrat oder Schulparlament: Themen diskutieren, gemeinsam entscheiden und dokumentieren
  • Lernen durch Engagement
    Service Learning mit gesellschaftlichem Außenbezug

Stimmen aus der Praxis

Was bedeutet Demokratiebildung konkret für jeden Einzelnen und jede Einzelne? Die Antworten zeigen, wie vielfältig und gleichzeitig verbindend dieses Thema ist:

„Demokratiebildung ist für mich, in jungen Menschen ein Bewusstsein für Toleranz und Mitbestimmung zu schaffen und dieses auch zu stärken.“
Isabel W.

                       „Demokratiebildung ist für mich die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben.“                                                                                   
Bernhard B.

                                              „Demokratiebildung ist für mich Mitbestimmung und Beteiligung.“                                                                                                        
Tanja M.

                        „Demokratiebildung ist für mich wichtig für ein gemeinsames harmonisches Miteinander.“                                                                                                                             
Petra K.

Demokratiebildung braucht Raum – Impulse aus Politik und Praxis

Demokratiebildung braucht Zeit, Raum und bewusste Verankerung im Schulalltag. Genau hier setzt auch die aktuelle bildungspolitische Diskussion an. Ein eigenes Schulfach – mit Fokus auf Demokratie, Kommunikation und Konfliktlösung – könnte diesen Raum schaffen. Auch bei der Veranstaltung in St. Pölten wurde deutlich, wie zentral diese Aufgabe ist.

Bundesminister Christoph Wiederkehr betonte in seinem Input die Bedeutung politischer Bildung als Grundlage für eine starke und zukunftsfähige Gesellschaft:

Lehrpersonen schaffen durch ihr Engagement und innovative Methoden Lernräume, in denen Demokratie aktiv erlebt und verstanden werden kann. So befähigen sie Jugendliche, ihre Rechte zu erkennen und Verantwortung als aktive Bürger:innen zu übernehmen."


Bundesminister Christoph Wiederkehr

Im Gespräch mit Bundesminister Christoph Wiederkehr

Im Rahmen der Veranstaltung hat sich Bundesminister Christoph Wiederkehr auch Zeit für ein Gespräch mit uns genommen. Dabei ging es um zentrale Fragen der Demokratiebildung im digitalen Zeitalter:

  • Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für Demokratiebildung im Zeitalter von TikTok und Instagram?
  • Wie können Lehrkräfte Schüler:innen helfen, zwischen Information, Meinung und Manipulation zu unterscheiden?
  • Was macht gute Politische Bildung aus?

Drei Fragen an Bildungsminister Christoph Wiederkehr

VERITAS vor Ort: Austausch, Materialien und viele Gespräche

Als Sponsor und Aussteller war VERITAS mit einem eigenen Büchertisch vor Ort vertreten. Ein vierköpfiges Team stand den Besucher:innen für Fragen und Antworten zur Verfügung.

Das Interesse war groß: Viele Lehrkräfte nutzten die Gelegenheit, Materialien direkt durchzublättern und sich über Einsatzmöglichkeiten im Unterricht auszutauschen. Besonders gefragt waren Lehrwerke aus den Bereichen Geschichte und Politische Bildung sowie Geografie und Wirtschaftliche Bildung. Ergänzt wurde das Angebot durch fächerübergreifende Ratgeber und Fachliteratur. Auch Duden-Werke – ebenso Teil von VERITAS – konnten vor Ort durchgeblättert werden.

Der persönliche Austausch zeigte einmal mehr, wie wichtig praxisnahe Materialien für den Unterricht sind und wie groß der Bedarf an konkreten Impulsen zur Demokratiebildung ist.

Sie suchen nach genau solchen Impulsen für Ihren Unterricht?

Demokratiebildung zieht nicht erst jetzt in die Klassenzimmer ein – im Unterricht sind die Themen Demokratie, Kommunikation und Konfliktlösung schon lange präsent und werden in Schulbüchern behandelt. Unsere Übersichten zeigen Ihnen, wo und wie Demokratiebildung bereits in bestehenden Lehrwerken verankert ist

Die Veranstaltung in St. Pölten hat gezeigt, wie groß das Engagement von Lehrkräften ist. Sie schaffen Räume, in denen Schüler:innen zuhören, hinterfragen und ihre eigene Meinung entwickeln. Gleichzeitig wird deutlich: Demokratie muss erlebt werden. Im Gespräch, in der Auseinandersetzung und in der gemeinsamen Suche nach Lösungen.

Demokratiebildung beginnt im Klassenzimmer

Fazit: Demokratiebildung ist keine Zusatzaufgabe. Sie gehört zum Kern von Schule – gerade im digitalen Zeitalter. Digitale Medien sind dabei Herausforderung und Chance zugleich. Sie fordern Orientierung – eröffnen aber auch neue Möglichkeiten für Beteiligung und Mitgestaltung. Demokratie lebt vom Mitmachen. Und genau das beginnt im Klassenzimmer. Lehrkräfte begleiten junge Menschen dabei, Verantwortung zu übernehmen und unterschiedliche Perspektiven auszuhalten.

Demokratiebildung weiterdenken

Demokratiebildung braucht Praxis, Austausch und die richtigen Materialien.
Diese Inhalte unterstützen Sie dabei:

* Quelle: Lebenswelten Jugendstudie der Pädagogischen Hochschulen Österreichs (2026)